Drei Uhr, der Späti hat noch auf
Notiz aus einem Spätkauf am Leopoldplatz, in dem die Neonröhre flackert, aber niemand sich darüber beschwert.
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24. Mai 2026
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Notiz aus einem Spätkauf am Leopoldplatz, in dem die Neonröhre flackert, aber niemand sich darüber beschwert.
Der Späti liegt zwischen einer geschlossenen Apotheke und einem Schaufenster, das niemand mehr ausräumt, und vielleicht ist es genau diese Lage, die ihn am Leben hält. Drinnen riecht es nach kaltem Kaffee und einer Spur Desinfektionsmittel; an der Decke arbeitet eine Neonröhre an ihrem letzten Auftritt. Der Mann hinter dem Tresen liest etwas auf seinem Telefon, schaut nicht auf, als ich eintrete, und ich bin ihm dankbar dafür.
Ich gehe die Regale ab, ohne etwas zu suchen. Die Konserven stehen in der Reihenfolge, in der sie geliefert wurden, nicht in der, in der sie verkauft werden; ganz hinten liegen Sardinen in einer Dose, deren Etikett vergilbt ist, und ich überlege kurz, ob sie hier vergessen wurden oder ob sie zum Inventar gehören wie ein Möbel. Vor der Tür rangiert ein Bus, dann wird es still. Der Leopoldplatz tropft. Ein Mann mit einem nassen Hund stellt sich unter das Vordach, sagt nichts. Auch der Hund sagt nichts.
Ich kaufe ein Päckchen Kekse, die ich nicht essen werde, und lege das Geld passend hin. Der Mann hinter dem Tresen nickt, ohne aufzuschauen. Draußen riecht der Nieselregen nach U-Bahn-Lüftung. Der Späti bleibt offen, als wäre das selbstverständlich, und in dieser Nacht ist es das auch.