Eine Stunde Sonne auf einer Cafétisch-Ecke
Ein Frühlingsnachmittag am Helmholtzplatz, in dem die Sonne wanderte und ich mit meinem Buch wanderte.
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24. Mai 2026
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Ein Frühlingsnachmittag am Helmholtzplatz, in dem die Sonne wanderte und ich mit meinem Buch wanderte.
Die Terrasse ist klein, eigentlich nur ein Streifen Bürgersteig, den jemand mit einem Holzgeländer für sich beansprucht hat. Vier Tische, jeder mit einer eigenen Statik. Ich nehme den hinteren, der wackelt, weil ich mit dem wackelnden Tisch besser zurechtkomme als mit Nachbarn, und stelle die Tasse so vorsichtig ab, dass nichts überschwappt. Die Sonne fällt im Märzwinkel auf den Platz, das heißt, sie liegt in langen Bahnen quer über den Asphalt, und alle drehen sich ihr zu wie Pflanzen.
Am Spielplatz, hinter den niedrigen Hecken, verhandeln drei Kinder mit Stöcken eine Sache, deren Regeln sich währenddessen verändern. Eine Mutter sitzt auf einer Bank und schreibt etwas in ihr Telefon, ohne aufzusehen, und doch hat sie alles im Blick — man sieht das, weil ihre Schultern auf jedes Geräusch reagieren, bevor sie es bewusst hört. Ein Hund bellt einmal, kurz. Ein Fahrradklingelt, weiter.
Die Sonne wandert um zwei Tische weiter, und ich folge ihr, mit Tasse und Buch, das ich seit einer halben Stunde nicht aufgeschlagen habe. Der Kellner nickt, als verstehe er den Vorgang. Vielleicht ist das die einzige Empfehlung, die ich hier geben würde: dem Licht hinterher, langsam, ohne Plan.