Das RAW-Gelände, an einem Dienstag, ohne Bier
Eine Begehung jenes Areals am Revaler Park, an dem nichts mehr ausgeschenkt wird und das Schweigen alle Wände einnimmt.
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24. Mai 2026
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Eine Begehung jenes Areals am Revaler Park, an dem nichts mehr ausgeschenkt wird und das Schweigen alle Wände einnimmt.
Es heißt, das RAW-Gelände sei am Dienstag tot, und ich hatte es nicht glauben wollen, bis ich an diesem Mittag durch das Tor an der Revaler Straße trat und tatsächlich niemandem begegnete. Die Buden, die sonst Cola und Whisky verkaufen, sind verriegelt; auf einer Theke aus Bauholz hat jemand mit Kreide ein Datum hinterlassen, das schon eine Weile vergangen ist. Die Halle, in der sonst getanzt wird, atmet aus.
Was bleibt, sind die Wände. An ihnen kleben Lagen über Lagen, und manche sind so dicht übermalt, dass die Farbe sich aufbläht und in Schollen abblättert. Ich gehe an einem Schriftzug entlang, der einmal eine Botschaft gewesen ist und jetzt nur noch eine Form. Eine Katze, dünn und konzentriert, überquert das Gleisbett, das hier seit Jahrzehnten kein Gleis mehr ist. Über mir kreisen drei Krähen, ohne Hektik, als hätten sie die ganze Stadt im Abonnement.
Aus einer Werkstatt klingt das Klopfen eines Hammers. Sonst nichts. Ich bleibe stehen, irgendwo zwischen Halle und Zaun, und merke, dass das Schweigen hier nicht leer ist. Es ist nur unbenutzt. Ich gehe wieder hinaus, ohne etwas mitgenommen zu haben, auch nicht mit den Augen.